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Mutterglück – Die Fehlgeburt von Urmel

April 27, 2022

Urmel, ein starkes Mädel wollte Mutter werden

Mit großer Vorfreude fieberten wir dem errechneten Geburtstermin entgegen und erwarteten zum 08.09.2021 die Kitten von Urmel und Manfredo.

Da die kugelrunde Mutter sichtlich viele Kinder erwartet, war bereits zwei Wochen vor Geburt sehr deutlich zu sehen, dass Urmel sehr viel liegt und ihre Ruhe von der restlichen Gruppe möchte.

Urmel Of Maine Coon Castle 9 Monate Alt

Normalerweise starten wir unsere Geburtsvorbereitungen in den Kittenzimmern standardmäßig 7 Tage vor Termin.  Zum Wohl der werdenden Mutter zog Urmel zwei Wochen vor Termin in ihr Zimmer und hat die Ruhe und Zuwendung sichtlich genossen.

Teil unserer Geburtsvorbereitung ist die Prüfung der Körpertemperatur, da Katzen ca. 24 Std vor Geburt ihre Körpertemperatur auf bis zu 36°C senken. Diese Werte lagen Morgens und Abends immer stabil zwischen 37.9°C und 38.5°C und deuteten täglich keinesfalls darauf hin, dass eine Geburt bevorsteht.

Ab dem 29.08.2021 stellten wir bräunlichen Ausfluss fest, der jedoch Geruchsneutral war und auch Urmel verhielt sich völlig unauffällig. Manchmal stirbt im laufe der Entwicklung ein Kitten im Mutterleib ab und kann solche Ausflüsse auslösen. Da wir bereits am 55 Tag der Schwangerschaft standen entschieden wir uns nach Rücksprache mit Züchterkollegen und unserem Tierarzt dazu,  Ruhe zu bewahren und Urmel enger zu überwachen.

Goodwin Manfredo 17 Monate Alt

Am Vormittag des 31.8.2021 (Tag 57) der Erste Schock, ein totes Kitten liegt im Sturdy und eine werdende Katzenmutter blickt mich mit traurigen Augen an. Ach Urmel…. Ich reinigte alles und beruhigte die Kleine.

20 Minuten später folgen die nächsten Presswehen und Urmel treibt ein weiteres Kitten aus. Als Züchter ist es in solchen Momenten extrem wichtig Ruhe zu bewahren und auf die Katze nicht zusätzlichem Stress zu übertragen.

Ich könnte heulen, ein bildschönes extrem silbernes Mädchen kämpft sich mit ihren 91g ins Leben und ringt nach Luft, verliert den Kampf jedoch in meinen Händen.  Während ich versuche die kleine Prinzessin zu reanimieren sehe ich im Augenwinkel wie Urmel die nächsten Presswehen durchlebt. Mensch Urmel, beruhig Dich bitte, es ist VIEL zu früh…. und schon war das nächste Kitten da, alter Typ, viel Silber, 84g, tot und trotz aller Versuche einfach nicht zu retten.

Plötzlich, Urmel steht auf als wär nichts gewesen, frisst und legt sich in die Sonne, die durch das Fenster auf den Fußboden scheint. Ich spende ihr Trost und versuche alles, damit Sie runterkommt und entspannt. Die Situation scheint geschafft. Bestimmt ein totes Kitten, deswegen der Ausfluss und die Frühgeburt um die anderen im Bauch zu retten – dachte ich.
Die anstehende Nacht und auch der nächste Tag alles ruhig – Gott sei Dank. Das Mädel vom Vortag verlies diese Welt um 19 Uhr, was bei ihrem Zustand aber nicht anders zu erwarten war.

Am 01.09.2021 (Tag 58) gegen 20:40 Uhr sehe ich über die Kameras das sich Urmel aufrichtet und anfängt zu pressen. 20:45 ein kleiner Maine Coon Kater, der ebenfalls nach Luft ringt und kurz darauf in meinen Händen stirbt. Die Lungenfunktion ist einfach noch nicht da.

21:14 – das nächstes Kitten, ein Junge, 80g, leblos. Ich versorgte den Kleinen und rubbelte ihn in meinem Frottehandtuch zurück ins Leben – er bewegt sich – er ringt nach Luft – er atmet… Urmel schau mal, dein Baby….  Urmel ist gänzlich überfordert mit sich und der Situation.

Die beheizte Notfallbox lief bereits und wir legten den kleinen erstmal dort ab. Es geht jetzt schlag auf schlag und Urmel treibt das nächstes Kitten aus. Ein Mädchen, 92g. leblos und auch Sie wurde reanimiert. Ein kräftiger Schrei ertönte aus meinem Handtuch und und ich dachte, das sterben hat nun ein Ende, die Lungen der kitten können mit der Frühgeburt umgehen. Dachte ich…
Bis 04:15 brachte Urmel drei weitere Kitten zur Welt, keines davon konnten wir retten.

Am Morgen des 2.9.2021 saß ich ratlos bei Kaffee und Zigarette im Garten…. die Welt ist nit dem Corona Wahnsinn seit Monaten ohnehin leise geworden und die Gedanken schwer. Warum das nun auch noch….. Was hab ich übersehen, was hätte ich anders machen können, was hab ich falsch gemacht, hab ich bei den 7 toten Kitten wirklich alles versucht…. warum leben gerade die zwei und sonst keiner….. Gedanken die einen Züchter mit Herzblut nicht mehr loslassen.

Das Drama nimmt kein Ende, denn Urmel kann ihre Kinder nicht versorgen und ist immer noch mit sich beschäftigt. Die zwei Kämpfer haben einen extrem schwachen Saugreflex und weiter Gewicht verloren, da leider auch das Zufüttern mit Fläschchen nicht wirklich klappt.

Wir beginnen Aufzuchtmilch Tropfen für Tropfen ins Mäulchen zu geben und stellen am Abend  erleichtert fest, dass sich der Saugreflex etwas verbessert hat. Wir versuchen erneut das Fläschchen und beide Kitten saugen mühsam, aber schaffen es Milch aus der Flasche zu ziehen.

03.09.2021 Urmel geht es gut, sie schnurrt. Die Kleinen dürfen sich wärmen, putzen & füttern übernimmt die überforderte Mutter jedoch nicht und die Gewichte der zwei Kämpfer sind wieder gefallen.

Urmelkinder

Der Junge hat 9g, dass Mädel 12g verloren und das trotz den Fläschchen, die sie alle 2 Std von mir bekommen. Über den Tag gelang es  uns dann, dass wir das Gewicht halten und ich legte mich Mittags kurz zu Urmel in die Wurfbox, denn irgendetwas passt mit der Katze nicht.  Sind noch weitere tote Babys im Bauch, passt sonst etwas nicht?

Ich entschließe mich Urmel zum Tierarzt zu fahren und ein Röntgen zu veranlassen.
Bei den Untersuchungen kam dann hervor, dass Urmel eine Gebärmutterentzündung während der Schwangerschaft erlitt, die für den Ausfluss und die Frühgeburt verantwortlich war. Die Entzündung war so groß und widerholt sich oftmals immer wieder, dass wir uns entschieden haben, Urmel aus der Zucht zu nehmen und sie kastrieren zu lassen.

Entscheidungen dieser Art werden immer und ausschließlich zum Wohl der Katze getroffen.

Autor: Alexander Hirschberger

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